The Bride Project

Premiere: Dienstag, 11. Oktober 2016 um 19:30 im Theater Phönix

 


Der Mythos


Böse Mädchen landen in der Hölle. Wie die Danaiden. Eine Gruppe von 50 Frauen, die, laut griechischer Mythologie, ihren 50 grausigen Cousins zur Heirat versprochen werden und sich glatt weigern. Mehr noch, sie wagen es, zu fliehen, einen fremden, guten, lieben (ich möchte fast sagen: sexy?) König um Schutz anzuflehen und sich an seinem Hofe zu verstecken. Und warum? Nur weil ihre Ururgroßmutter damals in ebendiesem Königreich gelebt hatte! Io, eine Priesterin, die von Zeus vergewaltigt und anschließend in eine Kuh verwandelt wurde, damit die eifersüchtige Hera sie nicht entdecken sollte*…
Jetzt bin ich abgeschweift…. Jedenfalls schaffen es die Danaiden, Asyl zu bekommen., werden aber dann doch von ihren Cousins eingeholt und abgeschleppt. Tja, so geht´s! Die Heirat findet wie geplant statt, doch in der Hochzeitsnacht erstechen die Danaiden ihre garstigen Bräutigame mit Nadeln. Diese Bluttat wird natürlich von den Göttern gerächt: Zur Strafe müssen die Bräute bis in alle Ewigkeit Wasser zu einem Brunnen tragen – in Krügen, die Löcher haben, und aus denen das Wasser immer wieder hinausfließt…

Zum Stück:


“The Bride Project” ist ein internationales Theaterprojekt, das von Sina Heiss (A), Gabrielle Sinclair (USA) und Lisa Coinus (FRA) (Verein Lonesome George) im Winter 2014/15 ins Leben gerufen wurde. In experimenteller, prozessorientierter Ensemblearbeit wurde ein Theaterstück zum Thema “Frau Sein” entwickelt, das am 11.Oktober 2016 seine Premiere im Theater Phönix Linz feiert. Dabei setzte das Team immer wieder öffentliche Aktionen, um seine Arbeit mit dem Publikum zu teilen. So etwa bei der Langen Nacht der Bühnen 2015 oder beim Linz Fest 2016. Das Publikum wurde so Teil des Entstehungsprozesses, es beeinflusste, trieb voran, veränderte…
Inspiriationsgrundlage von “The Bride Project” ist die Danaidentrilogie von Aischylos, die im Stück frei nacherzählt und stark verfremdet wird. Weiters fließen Statements und Zitate aus der modernen Popkultur ins Stück ein, die unser heutiges Geschlechterrollenverständnis beeinflussen. Das Regie/Autoren Duo Sina Heiss und Gabrielle Sinclair vermischen in ihrer gemeinsamen Arbeit ein breites Spektrum an künstlerischen Ausdrucksformen: Text, Tanz, Maske, Puppenspiel und Projektionen verschmelzen zu einem lustvollen, schrägen Gesamten, das unbedingt unterhaltsam, aber trotzdem die Hölle ist. Dort nämlich landen die 50 Danaidenschwestern nach den Morden an ihren Bräutigamen. Und alles nur wegen eines Neins?
Ein Chorus von Frauen spielt alle Rollen im Stück: Männer, Bräute, schmierige Könige und lästige Moskitos. Gemeinsam treten sie eine Reise an, auf der es herauszufinden gilt, was diese Hölle für sie wirklich bedeutet und wie sie ihr entfliehen können. In “The Bride Project” wird die Rolle der Braut einmal mehr als Archetypos erforscht, dessen einzige Aufgabe es ist, JA zu sagen. Wozu und wie lange sagen wir noch JA? Und wann trauen wir uns, endlich NEIN zu sagen?

THE BRIDE PROJECT ist mehr als ein Theaterstück zum Thema Gender. Es bringt ein Ensemble von Menschen zusammen, die, teils auf unterschiedlichen Kontinenten lebend, gemeinsam an einer Sache arbeiten. Sie bilden ein Netzwerk. Sie interagieren, bauen Verbindungen auf, stehen in Beziehung zueinander – obwohl sich viele von ihnen gar nicht kennen, verbindet sie ihre gemeinsame Reise. Die Geschichte beginnt irgendwo zwischen griechischer Mythologie und einer stereotypen Märchenwelt, in der Generationen von Frauen sich in ihr Schicksal verstricken und brav ihre Rolle spielen. Solange, bis mal eine sagt: NEIN! Wider aller Erwartungen, allen Familientraditionen zum Trotz und gegen den Strom schwimmend – Das NEIN wird lauter, stärker und mehrstimmig. Ein kollektives NEIN, das eine Gruppe von Frauen zu Fliehenden werden lässt, zu Abenteurerinnen, Kriegerinnen, Mörderinnen, Freundinnen, Liebenden und Superheroes.
–       Sina Heiss, Regie – Lonesome George (A)
*Natürlich erkennt Hera die wahre Gestalt der Kuh (eifersüchtige Ehefrauen entwickeln oft einen 6. Sinn) und hetzt ihr zur Strafe (weil Io mit Zeus Sex hatte) einen giftigen Moskito auf den Leib. Die Kuh muss um die halbe Welt rennen, weil das Insekt nicht von ihr ablässt. Dieser Scheiß-Moskito!

 

 
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